VOGELRICHE WEISE – für das mediävistische institut der universität konstanz (behelmt), oder etwa 30 laiendarsteller, die die angehörigen des mediävistischen instituts der universität konstanz vollkommen repräsentieren (behelmt), (rinck)

die hälfte: sieh an – wir nutzen dies semantisch.
der sprecher: der zwölfte fragt:
der zwölfte: wozu?
die andere hälfte: wir sagen nichts, außer JA.
der sprecher: der elfte fragt
der elfte: JA. aber JA in welchem sinne?
ein zersprengtes viertel: sssssssssssst
erstes drittel: fogalkunni
zweites drittel: fogalrarta
drittes drittel: fogalari
mehrere, aber nicht alle: als flögen wir nachhaus.

Hörstück – DER SCHLUCK AUF DER LÜCKE, 12.12.

HINWEIS AUF EINE NEUE ARBEIT VON CHRISTIAN STEINBACHER (LINZ)

12. 12., 23:03 Uhr auf Ö1 
DER SCHLUCK AUF DER LÜCKE
Hörstück – Sendepremiere
in der Reihe “Literatur als Radiokunst”.

Direkter Link zu den Produktionsnotizen:
http://tinyurl.com/Steinbacher-LARK-Produktion

Kurz nach der Erstsendung wird eine MP3-Stereo-Version des Stücks auf  www.kunstradio.at abrufbar sein.

NIHILUM ALBUM

23. NOVEMBER 2010, 21 Uhr
Villa Elisabeth, Invalidenstr.3, Berlin

Liedertafel mit Oswald Egger (Dichter), Harald Muenz (Komponist)
Barbara Kind, Judith Kamphues, Volker Nietzke, Martin Schubach (Vokalquartett)

Der Dichter Oswald Egger liest aus seinem Nihilum album: 3650 Nichtstandard-Liedern, “die von dort, woher die Kinder kommen, ins Diesseits kassibern: Zinkblumen (nihilum album) aus Erde und Rede, Priameln und Schnaderhüpferln”.

Zur Werkstatt-Aufführung kommt das Chorstück „bum al lumhini“ (2010) per quattro voci:

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Und dann denken die Dichter, Sänger und Gäste der Liedertafel bei Wein und Käse über das Egger‘sche Lied-Wesen nach:

“Singen, tönern
ist es gut,
Pfoten-Mond
lebendere Blitze.”

*

Konfigurationsgedicht “Ich und Achilles” (Zur Quelle):

STEINBACHER / HERNDLER

21. September 2010, 21 Uhr
Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, 10115 Berlin
Eintritt frei

DER WANDEL MOTZT
Ein Abend mit Christian Steinbacher (Dichter), Christoph Herndler (Komponist),
Claudia Herr, Jens Holger Hopp und Nathalie Siebert (Vocal Performer)

Dass der Wandel selbst es ist, der „motzt“, sprich: aufbegehrt, liegt in der Natur eines Be-Schreitens.

Unter dem Titel „der wandel motzt“ bieten Christian Steinbacher und Christoph Herndler, beide in Oberösterreich lebend, Einblick in ihre Arbeit.  Zu erwarten ist ein in sich ineinander fließender Auftritt, Rundlauf aus Lesung und Stimmentrio, teils gesungen, teils gesprochen durch irgend so ein Ding, wo man brisante Sprüche bei Veranstaltungen in die Menge mit spricht. Steinbacher steht mitten in der Welt und jongliert, seine Gedichte lesend, mit Partikelchen. Christoph Herndler bringt mit VokalistInnen der Liedertafel sein Sprech-Extrakt aus SUBJEKT/OBJEKT zur Aufführung.

Zum besseren Verständnis der Aktionen wird Besuchern empfohlen, im Vorfeld diese Verse auswendig zu lernen: Der Riss bestach wie jeder Riss,/Synthetik heißt die Zeitdevise,/ein jeder Bruch wird eingebunden und/so hebt er ab/aber der Wipfel da tropft noch/in den Scharen von Soßen.

Christoph Herndler, geboren 1964, lebt in Gaspoltshofen (Oberösterreich). Er studierte Orgel, Elektroakustik und Komposition (bei Haubenstock-Ramati) in Wien und Kalifornien. 1997 gründete er das Ensemle EIS. Seine Schwerpunkte liegen in der grafischen und intermedialen Partitur. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht für Herndler die Frage der Notation: Florian Neuner betont, dass der Komponist dabei (im Sinne einer Enthierarchisierung der Rollen) von keiner konkreten Klangvorstellung ausgeht, aber die Voraussetzung dafür schafft, dass die unterschiedlichsten Klänge sich ereignen können.

Christian Steinbacher, geboren 1960, lebt als Autor, Herausgeber und Kurator (u. a. des Festivals „Für die Beweglichkeit“) in Linz. Buchpublikationen seit 1988, zuletzt u. a. „Zwirbeln, was es hält. Gedichte“, 1996. (Werkauflistung siehe auf Christiane Zintzens in /ad/ae/qu/at = www.zintzen.org) Zu Steinbachers letztem Gedichtband hob Paul Jandl in der NZZ ein von einer vitalen Kraft durchpulstes, physisches Eigenleben der Worte und deren kunstvolles Oszillieren hervor.

ZUR GEWOGENEN BEACHTUNG:

Gegen 20 Uhr beginnt die Einübung – Schreiten mit Herndler. Sänger, Schauspieler, Performer, Dichter, Komponisten und alle, die sich nicht scheuen, sind zur Partizipation gebeten.
Gegen 22.15 Uhr folgen dann die nächtlichen Fragen (Trinken mit Steinbacher?) von womöglich hoher lebenspraktischer, aber auch poetologischer und kompositionstechnischer Relevanz für unser aller und Ihr eigenes Leben.

.. fallen und klettern ..

“Die musikalische Erregung kommt gerade daher, dass der Komponist in jedem Augenblick mehr oder weniger wegnimmt oder hinzufügt, als der Zuhörer erwartet, im Glauben an einen Plan, den er zu erraten meint, den er aber nicht zu durchschauen vermag aufgrund seiner Gebundenheit an eine doppelte Periodizität: an die seines Brustkorbes, die von seiner individuellen Natur, und die der Tonleiter, die von seiner Erziehung abhängt. Nimmt der Komponist mehr hinweg, so empfinden wir ein wunderbares Gefühl des Fallens; wir fühlen uns von einem festen Punkt des Tonsystems weggerissen und ins Leere geschleudert, aber nur deshalb, weil sich die Stütze, die uns geboten wurde, nicht an der erwarteten Stelle befand. Und nimmt der Komponist weniger hinweg, so tritt das Gegenteil ein: er zwingt uns zu einer kunstvolleren Gymnastik, als wir beherrschen. Bald sind wir bewegt, bald gezwungen, uns zu bewegen, und immer jenseits dessen, was wir, allein, zu leisten uns fähig glaubten. Das ästhetische Vergnügen besteht aus dieser Vielfalt von Erregungen und Aufschüben, von enttäuschten und belohnten Erwartungen, und jenseits der Erwartung, – ein Resultat der von dem Werk gestützten Herausforderung; und es besteht aus dem widersprüchlichen Gefühl, das sie einflößt, dass die Prüfungen, denen sie uns unterzieht, unüberwindbar sind, während sie uns gleichzeitig die wunderbar überraschenden Mittel bereitstellt, sie zu besiegen.”

Claude Lévi-Strauss: Ouverture, in Das Rohe und das Gekochte, Mythologica I
Übersetzt von E. Moldenhauer

Thema (Christian Steinbacher)

(Thema x A)

ABWEICHEND GÜNSTIGST ZUGESPITZT

unbändig abgelassen uneins
zuhauf rund unumschränkt
griffig frisch eingenickt
hellauf geknickt
echt fast überhöht phosphatfrei
pigmentiert synthetisch quer
offen halb
fügsam aufgebracht sehr
mehr merkwürdig hügelfrei
gerippt x-fach verbeult
bunt töricht entleert
befangen himmelblau klar

+

(Thema x B)

GESAGT GETREU EINHER

Der Riss bestach wie jeder Riss,
Synthetik heißt die Zeitdevise,
ein jeder Bruch wird eingebunden und
so hebt er ab
aber der Wipfel da tropft noch
in den Scharen von Soßen

[beide Gedichte aus der Sammlung
„der wandel motzt“, 2000]

Variation 3 zu T 9 (Christian Steinbacher)

DEMESTICA
(vom Nervösen, das sich findet)

„Reh, zieh!“-Nut, das heißt, der Gürtel
ward gestochen, welches Loch denn
wirkt nun dort an einer Reling,
dass die Schneiderei es ändert,
bis das doch nervöse Tierchen
resistent wird, retardiert jetzt,
hoppelt auf zur Krippe Resi,
unser Häschen, gleichfalls flüchtig,
wird das nun bald bloß Zinnober,
wenn wir weiter springen, hüpfen.
besser Hauswein als den Rezi-,
na, was will da unser Auge,
renitent heißt’s zu erklimmen
diese Töne, die sich finden
wollten schon von Anfang an, wir
gern vergönnen unserm Gürtel,
der sich wie Lianen windet,
diesen Auf- und Auslauf, doch es
gilt ja auch was aus der Nähe:
Inuit mag Nutria.

Variation 6 zu T 5 (Christian Steinbacher)

IM SCHWIRRBAZAR EIN PAAR VERHALTNE BLEIBEN
(als vokalistische Verweiterung einer Heissen Fusion Christian Filips’)

Als all das sehr Fette
uns freut, dass im Fügen mehr sprengt es
kein Schwarm, o Haargel-Adepten, verhaltener
wärm der. Noch werf es, wird fein ausgecheckt,

Geschehen, scheuet das Mal sein Ketteln.
Nur wie schaufeln? Kessel? Duster tankt, sintert
bei schwindendem Pfandbestand
kein Schmalz vorm Kippeffekt, des Schwebens

kleine Runde. Schabt am hohen Ziel wer?
Befinde das! Beim Garn der Klimmintrige
Au-pairs Kapp-Pfosten-Menhire tröpfeln, teure Abstreifer
verschwistern dich. Sie mixen schief, schlicht quer,

nie ein dem Hellauf-Seim das Pot-Beschildern.
Ei, sei echt Streu. Auf, schnorr! Au, ’s schmort.
Zum Zoff im Körnen nimm Schergen, wenn anders unverhofft fern
schlackt Eiswelt, krumm bläu ein den dir. Dönner

voll Rhabarber sirr. Entlehn es.

*

(wirkt ausgezehrt O’Flennys Drainageriegeheul?)

*

UND ODER ALLE ALLEMAL FLOTT SCHLICHT ZURÜCK:

Die schönste Mutter konzertant auch dort verschwinde.
Nicht mehr an Zeichentiefe riecht, wer wehrt.
Eben Hand in Hand wieder schleppen!
Je erhaltene Versprechen betteln: Tränen